FOTOAKADEMIE

LUZERN

Blog vom 18. September 2017 ©

von Felix von Wartburg

Handy-Fotografie

Im Grunde ist dieser Begriff ein Widerspruch in sich selbst. Manche Berufsfotografinnen und -fotografen, die ihren Beruf in jahrelangen Ausbildungen und mit vielen persönlichen Erfahrungen erlernt haben, greifen sich an den Kopf, wenn die Begriffe «Handy, Smartphone oder iPhone» mit dem Begriff «Fotografie» in Zusammenhang gebracht werden. Ich gebe ihnen Recht – zumindest teilweise.

Kehren wir die Sache doch einfach mal um: Es käme wohl niemandem in den Sinn, beim Kauf einer Fotokamera den Verkäufer im Fotofachgeschäft zu fragen, ob man damit auch telefonieren könne. Vielleicht ist diese Frage ja irgendwann mal berechtigt. Heute kann man ja auch mit einer Armbanduhr telefonieren. In den vergangenen 20 Jahren wurden wir belehrt, dass vieles, was wir uns früher kaum vorstellen konnten, heute völlig normal ist.

In vielen Zeitungen auf der ganzen Welt werden heute Bilder publiziert, die mit einem Smartphone gemacht worden sind. Dass solche Bilder (ich sage bewusst Bilder und nicht Fotos) den Weg in die Zeitung finden, liegt daran, dass im entscheidenden Moment kein Fotograf am Ort des Geschehens war. So wird aus der Not eine Tugend. Auch ich habe schon Handy-Fotos für Zeitungen gemacht, weil ich gerade keine Kamera bei mir hatte. 

Nicht die Technik ist entscheidend

Womit ein Bild entsteht ist nicht wichtig, wichtig ist hingegen, über welche Kenntnisse der Bildautor verfügt. In Strafprozessen ist das Fotografieren häufig verboten, Handys müssen am Eingang deponiert werden. Zeichnen ist hingegen erlaubt. Deshalb erscheinen in Zeitungen oft Zeichnungen statt Fotos von Gerichtsverhandlungen. Wenn ich gefragt werde, warum ich Fotograf geworden sei, gebe ich oft scherzhaft zur Antwort «weil ich nicht Zeichnen kann». Damit komme ich zum Kern der Sache: Auf das Können kommt es an, und das hat mit Technik relativ wenig zu tun, sondern viel mehr mit Erfahrung, Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Kreativität und einem Gespür für das, was Menschen in Stimmungen versetzt. Ich schätze, dass heute 99 Prozent aller auf Handys geknipsten Bilder diesen Ansprüchen nicht genügen und deshalb nicht das Geringste mit Fotografie zu tun haben. Es ist wie der Unterschied zwischen Kulinarik und Fastfood. In den Anfängen der Fotografie hat es Stunden gedauert, um ein einziges Foto zu machen. Dem entsprechend mussten sich Fotografen stunden- oder gar tagelang mit ihrem Motiv befassen. Die Resultate waren entsprechend grossartig und ziehen uns heute noch in den Bann. Auch Kunstmaler haben Wochen, ja gar Monate gebraucht, um ein bewundernswertes Werk fertig zu stellen. Dass das heute innert Sekunden möglich sein soll kann ich schlicht nicht nachvollziehen. 

Ich habe nichts dagegen, dass heute Jedermann und Jedefrau das Handy als «Kamera» benutzt und dieses auch als solche bezeichnet. Aber ich habe dezidiert etwas dagegen, wenn Menschen behaupten, dass sie damit «fotografieren». Was sie tun ist «knipsen». Fotografieren geht definitiv anders.

Hier will nun die Fotoakademie Luzern Hilfe anbieten. Es ist nämlich durchaus möglich, auch mit einem Handy ansprechende Fotos zu machen, wenn man die wichtigsten Regeln der Fotografie kennt. Aber nur dann. Mit «Regeln» meine ich nicht «Fototechnisches Wissen», sondern ganz einfach Grundregeln. Wenn man diese kennt, kann man auch mit einem Handy grossartige Fotos machen. Es geht dabei um Regeln wie Komposition, Gestaltung, Geometrie, Vorder- und Hintergrund, Beleuchtung, Licht und Schatten, Gegenlicht, Aufhelllicht und vieles mehr. Mit Technik hat das nichts zu tun. Aber dieses Wissen ist die Grundlage für wirkungsvolle, eindrucksvolle und ansprechende Fotos.

Eines darf man dabei aber nicht ausser acht lassen. In Zeiten der analogen Schwarzweiss-Fotografie wurden in der Dunkelkammer Fotos in oft stundenlanger Arbeit zu eindrücklichen Kunstwerken weiter verarbeitet. Heute geschieht das bei Tageslicht am Monitor mit Bildbearbeitungs-Programmen. Wer wirklich grossartige Fotos präsentieren will, kommt um die nachträgliche Bildbearbeitung nicht herum. Es ist wie beim Kochen. Die besten Zutaten reichen nicht, um ein schmackhaftes Gericht zuzubereiten. Es braucht noch Gewürze und das Talent der Köchin oder des Kochs, ein Gericht so abzuschmecken, dass es zur Gaumenfreude wird. Genau so ist es in der Fotografie. Aus dem Rohstoff Bild wird durch die nachträgliche Bildbearbeitung eine Fotografie, die als Augenfreude genossen werden kann.  

Felix von Wartburg

PS: Hier ein Beispiel eines ganz gewöhnlichen Handy-Fotos (links) und was jeder mit fotografischem Geschick und ästethischem Know-how daraus machen kann (rechts). Entscheide dich intuitiv, welches Bild dich mehr anspricht, und versuche herauszufinden, warum. Wetten dass: du dich für das Bild rechts entscheidest. Aber du weisst immer noch nicht warum. In unseren Kursen wirst du lernen warum.

Blog vom 12. September 2017 ©

von Felix von Wartburg

Neue Wege in der Fotografie-Aus- und Weiterbildung

Nach vielen Jahren Fotografie-Lehrtätigkeit in Schulen, in der Lehrer-Fortbildung, in Kursen und auf Fotoreisen und mit über 50-jähriger Erfahrung als Fotoreporter und Journalist will ich neue Wege beschreiten. Ich passe mich dem Massenmedium Handy-Fotografie an. Natürlich bin ich immer noch Fotograf und arbeite mit echten Kameras. Hie und da habe ich aber auch schon Handy-Fotos gemacht und diese sogar publiziert, weil ich im entscheidenden Moment keine Kamera mit dabei hatte.

Man kann davon ausgehen, dass sich die technische Qualität der Handy-Fotografie immer weiter entwickeln und irgendwann einen Standard erreichen wird, der heutigen digitalen Kompaktkameras entspricht. Allerdings stehen da verschiedene optische und physikalische Grenzen im Wege, für die ich im Moment keinen Ausweg sehe. Immerhin haben aber Handy-Fotos eine Qualität erreicht, die jener von Billig-Analog-Kameras aus den 60er-, 70er-, 80er- und 90er-Jahren weit überlegen ist.

Wenn ein Foto wirklich gut ist darf es auch unscharf sein

Wenn ein Foto zufälligerweise mal absolut scharf gelungen ist, heisst das noch lange nicht, dass es ein gutes Foto ist. Es mag zwar technisch perfekt gelungen sein, aber die technische Qualität eines Fotos ist nicht entscheidend. Es ist die inhaltliche Qualität eines Fotos, die Aussage eines Fotos,die einen Betrachter in den Bann zieht. Doch je mehr die Digital-Kamera- und Handy-Knipserei zu einem Spiel-, Spass-, Fun- und Party-Vergnügen wurde, desto mehr hat die inhaltliche Qualität der Bilder gelitten. Das war schon bei der analogen Fotografie so, als sich jedermann eine Kamera leisten konnte, egal ob er fotografieren konnte oder nicht. Kaum jemand kannte damals oder kennt heute den Unterschied zwischen einem geknipsten Bild und einer wertvollen Fotografie. Die Menge der geknipsten Bilder hat seit der Kodak-Kamera Nummer 1 (im Jahre 1889) explosionsartig zugenommen, die inhaltliche Qualität nahm aber drastisch ab. Und seit man mit Smartphones auch Bilder schiessen kann, hat sich die Menge an geknipsten Bildern nochmals um den Faktor 100 erweitert. Einer Schätzung zufolge werden weltweit in jeder Minute rund eine Million Handy-Bilder geknipst. Ich respektiere die Freude, welche die Menschen daran haben. Aber mit Fotografie hat das nichts zu tun. Kein Mensch wird als Pianist geboren, keiner als Koch, keiner als Pilot und keiner als Fotograf. Jedes Metier muss erlernt werden. Wer will, kann aber auch mit seinem Handy grossartige Fotos machen. Er muss es aber lernen und vor allem lernen wollen.

PS: Die folgenden drei Fotos habe ich im August 2016 mit einer Kamera aus dem Jahre 1936 gemacht. Die Kamera hat kein Objektiv sondern nur eine einzige Linse, keine Blende und verfügt über einen nicht regelbaren einfachen Feder-Verschluss. Es ist meine allererste Kamera, die ich mir im Primarschulalter aus Taschengeld gekauft habe. Für eine Analog-Foto-Ausstellung in Zürich habe ich sie wieder hervorgeholt. Alle Fotos gelangen auf Anhieb. Es hat mir einmal mehr bewiesen: nicht die Kamera macht die Fotos, sondern der Mensch dahinter.

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